Einsteins wichtigstes Instrument war seine Geige. Es heißt er habe die Berliner Akademie der Wissenschaften nie ohne seinen Geigenkasten betreten. Bei einem Vortrag in Prag habe er anstatt über Physik zu sprechen, einfach Mozart gespielt. Zusammen mit Bach und einigen früheren Italienern und Engländern zählte dieser nämlich zu seinen Lieblings-Komponisten. Ein Meister wie Beethoven soll ihm schon zu modern gewesen sein.
Sein Sohn Hans Albert Einstein sagte einmal: „Immer wenn [mein Vater] das Gefühl hatte, ans Ende eines Weges gekommen zu sein, oder wenn er sich in der Arbeit einer wichtigen Herausforderung gegenüber sah, suchte er Zuflucht in der Musik und das löste all seine Schwierigkeiten“.
Der ansonsten eher wenig emotionale Einstein wird wie folgt zitiert: die Geige “hilft mir alles zu sagen und zu singen, was ich mir gar oft in dürren Gedanken auch nicht im mindesten zugestehe, sondern höchsten drüber lache, wenn ich es in anderen sehe.“
Ich liebe Goethe und ich liebe Franz Schubert! Letzteren halte ich sogar fuer ein wenig unterschaetzt. Nachdem ich im Rahmen einer Konzertreise begonnen hatte, mich intensiver mit den Quartetten dieses grossartigen Komponisten auseinanderzusetzen, liess mich die Faszination so bald nicht mehr los. Mit meinem Vater teile ich ausserdem die Liebe zu Schuberts Liedern. “Die schoene Muellerin” oder “Die Winterreise” sind meines Erachtens beeindruckende, ruehrende Liederzyklen, die in ihrer Schoenheit und Reinheit kaum zu uebertreffen sind.
Da ich hier in meinen letzten Tagen in Gent einer Kommilitonin bei ihrer Doktorarbeit helfe, habe ich heute stundenlang professionellen Gesangsunterricht analysiert. Das behandelte Stueck war von Schubert zu einem Gedicht von Goethe. Es heisst: “Nur wer die Sehnsucht kennt” – Ich finde es wunderschoen!
Es war nur eine Frage der Zeit. Wir Geiger werden wohl bald überflüssig. Zumindest kommt dieses Gefühl auf, wenn man Bilder wie dieses, nämlich das Foto eines Roboters aus Bangkok der Geige spielt, entdeckt. Ich habe es auf stern.de bei den Bildern des Tages gesehen und will seit dem unbedingt einen davon haben.
John Walker wagt einen Versuch und berichtet davon in seinem spannenden Ted Talk “Recreating Great Performances”. Er demonstriert, wie Aufnahmen verstorbener Pianisten, mit dem Fokus auf den jeweiligen Tastenanschlag und die spezifischen Pedalbewegungen, analysiert werden können, um daraufhin auf einem Computer gesteuerten Flügel abgespielt zu werden. Durch diese neue Methode würde es beispielsweise auch möglich, große Bachinterpreten, wie Glenn Gould, Popsongs von Lady Gaga spielen zu lassen. Dementsprechend handelt es sich bei Walkers Erfindung nicht nur um ein kulturell wertvolles Werkzeug, sondern auch um ein recht unterhaltsames Spielzeug.
Gerade komme ich vom wöchentlichen Think Tank Meeting des IPEM (Institute for Psychoacoustics and Electronic Music). Die heutige Sitzung war besonders spannend, weil es um die Vorbereitungen zur EBRAMUS summer school ging. Eine Forschungsreihe die sich mit der Verbindung von behaviouralen, neurophysiologischen und neuropsychologischen Methoden beschäftig. Typisch für die Systematische Musikwissenschaft, werden Neurowissenschaften, Geisteswissenschaften und neue Technologien auf moderner Ebene miteinander vereint. Im Speziellen wird im Rahmen des Projektes die Anwendbarkeit musikwissenschaftlicher Forschung auf den Bereich der zweckmäßigen Therapie getestet. Dahinter steht die Frage danach, ob die von uns entwickelten Programme als Rehabilitationsmethode dienen können.
Nachdem ich eben noch durch den Regen zurück zum Studentenwohnheim gefahren bin, erhole ich mich jetzt erst einmal bei einer Tasse Tee. In ungefähr einer Stunde muss ich frisch und aufgewärmt bei der Generalprobe im Bijloke erscheinen. Schließlich findet heute das lang ersehnte Konzert mit Jolente De Maeyer statt. Ich freue mich darauf. Einen Bericht und/oder Fotos werde ich danach gerne veröffentlichen. Bis dahin vorerst dieses schöne Bild von Jolente.
Es folgt eine Mozartsonate in D-Dur für zwei Klaviere, gespielt von Greg Anderson und Elizabeth Joy Roe. Wer schon einmal vom “Mozart-Effekt” gehört hat, der mag sich dafür interessieren, dass dieses Stück für das Experiment, das später zur Postulierung des besagten Effektes geführt hat, benutzt wurde. Der Glaube daran, dass “Musik schlau macht”, leitet sich also von diesen ersten Studien und den vermeintlichen Auswirkungen des Hörens dieser Sonate ab.
Wie jeden Freitag fand auch heute wieder das wöchentliche Think Tank Meeting meines Instituts (IPEM) statt. Eingeladen war unter anderem Ben Schultz, ein PhD Student der “Marcs University of Western Sydney”, der einen Vortrag mit dem Titel “The implicit learning of metrical and non-metrical patterns: can the beat improve learning?” hielt. Da ich heute erst etwas später zum Meeting kommen konnte, habe ich diesen Teil leider verpasst.
Der zweite Beitrag kam von Hilde D’haeyere, vom KASK Institut der “Hogeschool Gent”. Er trug den Namen: “Stopping the show: waste motions in slapstick comedy”. Hilde D’haeyere ist Fotografin und als Doktorantin und Lehrende Mitglied des KASK. Sie arbeitet als Forscherin an einem Projekt über Kinematografie und Slapstick-Komödie. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf den Filmproduktionen von Mack Sennett (1917-1933). Weitere, detailliertere Informationen sind hier zu finden.
Einer der Punkte, die sie an Slapstick interessieren, ist die absurde Rationalität der stilisierten, aussagekräftigen Art der Bewegung der Schauspieler einerseit, im Vergleich zum Überfluss der “überschüssigen Bewegungen” (waste motions) der Hände und Arme andererseits. Insbesondere da zeitgleich mit der Entstehung der untersuchten Filmausschnitte, Studien über effiziente Produktionssyteme, wissenschaftliches Management und Fließbandfertigung aufkamen – Neuerungen die sich allesamt der modernsten Filmtechniken zur Visualisierung ihrer Innovationen bedienten. Gemeinsam mit einem Studenten der Filmfakultät des KASK machte sie einige Bewegungsstudien von Armen und Händen in existierenden Filmausschnitten. Im Kontext ihres eigenen Films, würde sie gerne zum Abschluss ihrer Arbeit einen Film in Gesamtlänge machen.
Alles in Allem ist Hilde D’haeyere wohl eher Künstlerin als ambitionierte Vertreterin der Wissenschaften. Ihr Projekt mag einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch haben, wird jedoch insbesondere den universitären Kriterien an ein theoretisches Gedankengerüst nicht gerecht. Die grundlegenden Begriffe ihrer Studien, wie “Effizienz” und die besagten “Waste Motions” bleiben ungeklärt. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Nur eben wissenschaftlich nicht von herausragender Relevanz. Als Mensch und als Vortragende, wirkte sie sehr sympathisch. Man spürte ihre stille Begeisterung für das Thema, sowie die ehrliche, unbefangene Freude an ihrer eigenen Arbeit. Der Abschlussfilm ihrer Doktorarbeit wird sicherlich etwas Besonderes.
Für uns Musikwissenschaftler kann das Thema auch eine gewisse Relevanz aufweisen. So diskutiert mein Prof. Leman in seinem Buch “Musical gestures” zum Beispiel die Barber-Szene aus dem bekannten Chaplin Film “The Great Dictator”. Dort sind die Bewegungen genau auf die musikalischen Vorgänge des 5. Ungarischen Tanzes von Brahms abgestimmt. Aber sehen Sie selbst, wie lustig die Verbindung von Kunst und Wissenschaft, bzw. von Slapstick und Musik sein kann.
Drehts sie sich im Uhrzeigersinn, lässt sich daraus schließen, dass der Schwerpunkt Ihres Denkens auf der rechten Gehirnhälfte liegt. Hier lässt sich auch der Großteil der Musikverarbeitung einordnen. Sehen Sie die Tänzerin als “gegen den Uhrezeigersinn drehend” dann liegt Ihr kognitiver Fokus auf der linken Gehirnhälfte. Es ist übrigens auch möglich zwischen den Drehrichtungen zu wechseln. Dafür hilft es, sich mit geschlossenen Augen vorzustellen sie würde sich in die andere Richtung drehen. Zur Klärung und Bestätigung:
AN DER ANIMATION VERÄNDERT SICH NICHTS AUßER IHRER SICHTWEISE!
Itau Talgams TED Talk “Lead like the great conductors” ist eine hervorragende Zusammenstellung verschiedener Stile des Dirigierens. Wer sich schon immer gefragt hat, was dieser “Hampelmann” an der Spitze des Orchester, eigentlich dort zu suchen hat, kommt in diesem Vortrag auf seine Kosten. Ersehnte, nachvollziehbare Antworten auf die Frage nach der Aufgabe des Dirigenten werden gegeben und anhand prominenter Beispiele, wie Riccardo Muti, Richard Strauß, Herbert von Karajan, Carlos Kleiber und Leonard Bernstein, veranschaulich.
Nach 15 Jahren Orchestererfahrung kann ich nur hinzufügen, dass es tatsächlich einen großen Unterschied macht, von wem man dirigiert wird. Neben dem Dirigierstil, spielt dabei auch die Art der Probenarbeit eine große Rolle.
Obwohl hier TED Talks immer über Youtube geposted werden, gibt es auch die Möglichkeit die Vorträge direkt auf der Seite von TED zu gucken. Dort lassen sich deutsche Untertitel hinzuzufügen.