Getaggt mit Konzert

Einstein beim Geigen

Einsteins wichtigstes Instrument war seine Geige. Es heißt er habe die Berliner Akademie der Wissenschaften nie ohne seinen Geigenkasten betreten. Bei einem Vortrag in Prag habe er anstatt über Physik zu sprechen, einfach Mozart gespielt. Zusammen mit Bach und einigen früheren Italienern und Engländern zählte dieser nämlich zu seinen Lieblings-Komponisten. Ein Meister wie Beethoven soll ihm schon zu modern gewesen sein.

Sein Sohn Hans Albert Einstein sagte einmal: „Immer wenn [mein Vater] das Gefühl hatte, ans Ende eines Weges gekommen zu sein, oder wenn er sich in der Arbeit einer wichtigen Herausforderung gegenüber sah, suchte er Zuflucht in der Musik und das löste all seine Schwierigkeiten“.

Der ansonsten eher wenig emotionale Einstein wird wie folgt zitiert: die Geige “hilft mir alles zu sagen und zu singen, was ich mir gar oft in dürren Gedanken auch nicht im mindesten zugestehe, sondern höchsten drüber lache, wenn ich es in anderen sehe.“

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Fisz Konzert im Stodola!

Geiler Rapper, geile Show, geiler Laden! Das lässt sich wahrscheinlich seriöser ausdrücken, musste aber mal gesagt werden. Letzten Sonntag war ich im Club Stodoła bei einem Konzert des Rappers Fisz, der dort mit seiner wirklich hörenswerten Band einen glanzvollen Auftritt hinlegte. Rap mit intellektuell anspruchsvollen Texten, reichlich musikalischen Jazzelelementen, sowie satten Beats und angenehm entspanntem Flow. Nicht oft kriegt man heute noch eine solch hervorragende HipHop Show geliefert. Jedem zu empfehlen, der sich nach alten Zeiten sehnt. Auch der Club Stodola hat mich angenehm überrascht. Alternativ und gleichzeitig technisch auf dem höchsten Stand zieht er ein cooles Publikum zwischen 20 und 40 an. Die Atmosphäre ist gut – es wird getrunken aber nicht gesoffen – die Leute haben Spaß und genießen die Musik. Jeder möchte einfach nur einen schönen Abend verbringen. Und das wurde jedem beim Fisz-Konzert ermöglicht.

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Breakdance und Bach!

Das perfekte Event für Familien? Als ich von “Flying Bach” hörte, dachte ich, dass mir die Show bestimmt gefallen würde. Denn schließlich mag ich sowohl Bach als auch Breakdance. Die übergeordnete Idee gefällt mir auch weiterhin ganz gut, nur kann mich die Umsetzung leider nicht überzeugen. Schön finde ich den Versuch ein junges Publikum, dass sich bisher vielleicht eher für modernen Tanz als für “alte Komponisten” interessierte, auf diese Weise an Bach heranzuführen. Ebenso können “die Eltern” ihre Vorurteile ablegen und entdecken wie spannend, akrobatisch und beeindruckend Breakdance sein kann. Enttäuschend ist jedoch, wie unangenehm schlecht die Idee präsentiert wird. Der Tanz scheint einfach nicht zur Musik zu passen. Die Qualität des Klanges ist schlecht. Auch die aufwendige Lichtshow kann nicht über die teilweise billigen Synthie-Sounds und das misslungene Bemühen der Verbindung zweier Zeitalter hinwegtäuschen.

Eine Doku über Breakdance und Bach

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Interview mit Jolente De Maeyer

Der letzte Ton des „Allegro ma non troppo“, aus Beethovens Violinkonzert, erklingt. Die Musiker des „Ghent University Symphony Orchestras“ applaudieren der Solistin. Während die Bläser in die Hände klatschen, schlagen die Streicher ihre hölzernen Bögen gegen die Notenständer, um damit einen metallischen Klangteppich zu erzeugen – den Musikerapplaus. Der Dirigent bedankt sich und sagt an, dass nach der Pause Mittel- und Schlusssatz geprobt werden. Ich verlasse gemeinsam mit Jolente de Maeyer, der erfolgreichen belgischen Geigerin, den Probenraum, um ihr nebenan, im Rahmen eines Interviews, einige Fragen zu stellen.

Im Jahre 1805 bittet der bekannte Geiger Franz-Joseph Clement, Ludwig van Beethoven darum, ein Konzert für Violine und Orchester zu schreiben. Das Werk das daraufhin, in einem für Beethoven untypisch kurzen Zeitraum von wenigen Wochen, entsteht, soll sein einziges Solokonzert, das nicht für Klavier komponiert ist, bleiben. Während bei der Premiere der solistische Part des außerordentlich beliebten , wie damals die Wiener Theaterzeitung schreibt „vortrefflichen Violinspielers“ Clement als „originell und mannigfaltig“ wahrgenommen und mit „ausnehmendem Beifall“ belohnt wird, kritisieren die meisten Rezensionen „zerissene Zusammenhänge“ und ermüdende „unendliche Wiederholungen einiger gemeiner Stellen“ im Orchesterpart. Obwohl dem Stück stets „manche Schönheit“ zugestanden wird, ist es anfangs, insbesondere im Vergleich zu anderen Werken Beethovens, ein eher bescheidener Erfolg.

Rückblickend betrachtet, mag die teilweise negative Rezeption des Stückes vor allem daher gerührt haben, dass die Noten des „auf die letzte Minute“ vollendeten Konzertes, den Musikern erst zwei Tage vor der Erstaufführung ausgehändigt wurden. Dementsprechend kurz war die Probenphase und dementsprechend unausgereift das Ergebnis. In späteren Konzerten, mit besser vorbereiteten Musikern, erfreute sich das Stück zunehmender Beliebtheit. Die in der „etwas missglückten“ Premiere als „ermüdende Wiederholungen“ wahrgenommenen Stellen, entpuppten sich letztendlich als überaus geistreiche Variationen eines durchweg brillianten Themas. Sowohl die überdurchsnittliche Länge, sowie die ungewohnte Ideenfülle des Stückes, sprengten den konventionellen Rahmen der damaligen Zeit und bildeten somit den Anfang einer sukzessiven Revolution des Solokonzertes.

Auch Jolente de Maeyer sagt, dass es faszinierend sei, wie ein einziges musikalisches Motiv ein ganzes Konzert formen kann. Sie ist vom Stück und dessen Konstruktion begeistert und zählt das Violinkonzert „definitiv“ zu einem ihrer absoluten Lieblingswerke. Doch welche Bedeutung haben solche, zweihundert Jahre alten Stücke noch für unsere heutige Gesellschaft? Haben wir es hier nicht vielmehr mit Musik der Vergangenheit, mit historischem Kompositionsballast zu tun? Inwiefern ist Klassische Musik noch „up to date“, inwiefern hat sie in unserem modernen Leben noch eine Existenzberechtigung?

Ohne zu zögern antwortet die ansonsten eher zurückhaltende Jolente leidenschaftlich und geradezu angriffslustig: „Klassische Musik ist zeitlos! Außerdem hat sie sich über die Jahrhunderte bewährt.“ Es werde immer junge Menschen geben, die beginnen klassische Musik zu hören und zu spielen. Sie ist davon überzeugt, dass der „am längsten überlebende Musikstil“ von seinen passionierten Fürsprechern auch weiterhin am Leben gehalten wird.

Jolente selbst, spielt bereits seit ihrem vierten Lebensjahr Geige. Nachdem ihre Geschwister begonnen hatten sich in unterschiedlicher Form musikalisch zu betätigen, bekam auch sie, als jüngstes Kind der Familie, Lust darauf ein Instrument zu spielen. Wie eine ihrer älteren Schwestern, entschied sich auch Jolente für die Violine. Darauf folgte schon bald das Klavier als Zweitinstrument. Sich spielerisch an einem Instrument zu versuchen ist eine Sache. Doch wie begeistert man ein junges Mädchen für klassische Musik im Allgemeinen? Dazu erzählt Jolente von ihrer Familie: „Obwohl meine Eltern keine Musiker sind, waren sie stets sehr empfänglich für unsere Interessen. Als sie meine musikalische Neugierde bemerkten, begannen sie diese auf eine ungezwungene und liebevolle Art zu fördern.“ Gemeinsam mit der kleinen Jolente besuchten sie Konzerte von großen, teilweise sehr bekannten Geigern wie Anne Sophie Mutter oder Nigel Kennedy, sodass diese schon früh zu Idolen ihrer Kindheit wurden.

Bereits im Alter von nur sechs Jahren gewann sie ihren ersten Wettbewerb und wurde somit 1990 die bislang jüngste Gewinnerin des flämischen „Jong Tenuto“ Preises. Es folgte ein erster Preis beim „Charles de Bériot Wettbewerb“ in Brüssel. Sie war außerdem Preisträgerin bei mehreren internationalen Wettbewerben, wie dem „Cardona International Wettbewerb“ in Portugal, dem „International Violin Wettbewerb Liana Issakadze“ in Russland (2004), sowie dem „British International Violin Wettbewerb“ in London (2005). 2009 wurde sie dann sogar Semi-Finalistin beim Queen Elisabeth Musikwettbewerb.

Geige zu spielen, muss nicht unbedingt bedeuten, sich für Musik im Allgemeinen zu interessieren. Es gibt Menschen die ihre Instrumente wie ein Werkzeug beherrschen, sich darüber hinaus jedoch recht wenig für das grundlegende Wesen der Musik interessieren. Sie lieben nicht die Klänge und künstlerischen Hintergründe, sondern vielmehr die reine Technik der Klangerzeugung. Jolente gehört nicht zu ihnen. Sie ist eine Vollblutmusikerin und das hört man auch. Sowohl in ihrer Art von Musik zu sprechen, als auch in der warmen gefühlvollen Weise ihres Spiels.

Die Frage nach ihrem ersten wirklich bewussten Eintauchen in die Welt der klasssichen Musik beantwortet sie mit der Aufnahme an der renommierten „Yehudi Menuhin School“ in England. Sie ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 14 Jahre alt und von einen Tag auf den anderen täglich von Musik und anderen talentierten Musikern umgeben. „Für mich öffnete sich damals eine neue Welt“ sagt sie heute. „Mein Horizont und insbesondere meine Sichtweise auf klassische Musik wurde von Tag zu Tag immer umfassender.“ Später studierte sie außerdem am „Royal College of Music“ in London, sowie an der „Hochschule für Musik Hanns Eisler“ in Berlin. 2008 wird sie am „Queen Elizabeth College of Music“ aufgenommen, um ihr Spielen in der Klasse von Augustin Dumay zu perfektionieren.

Die schöne Geigerin hat bereits in Frankreich, Russland, Portugal, Kroatien, Deutschland, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz und England konzertiert und als Solistin mit Orchestern wie dem „St. Petersburg State Academic Symphony Orchestra“ oder der “Flämischen Philharmonie” gespielt. Sie ist Teil des Ensembles „Frescamente“ und gründete 2007 ein Duo mit dem Pianisten Nicholas Kende. Als ich sie frage, was sie als den Grund für das mangelnde Interesse der jungen Generation an klassischer Musik sieht, reagiert sie ratlos. „Ich glaube, dass klassische Musik einem alles bieten kann, was andere populärere Musik einem bietet. Meistens sogar noch mehr.“ Man könne sowohl beim Spielen als auch beim Hören seine eigenen Erfahrungen mit einfließen lassen und schließlich durch die Rezeption Wohlbefinden und Frieden finden. Nur fordere klassische Musik das Individuum eben dazu auf, sich ein wenig mehr einzubringen. „Aber dafür haben die meisten Leute wohl keine Zeit mehr.“ Man müsse verhältnismäßig mehr Konzentration und Engagement aufbringen, um die Musik zu verstehen und für sich nutzen zu können. Nicht alles sei so direkt wie Pop-Musik, die immer „in ya face“ erzählt, was sie meint. Und das sei auch gut so. Denn während ein Popsong vielleicht kleine Momentgefühle beschreibt, könne eine Sinfonie eine ganze Welt von Gefühlen und Klängen ausdrücken.

Klassische Musik ist einfach groß in ihrem Anspruch, Umfang und Wirkungsvermögen. So auch das Violinkonzert von Beethoven, das am 16.12.2012 von Jolente de Maeyer und dem Gent University Symphony Orchester im Bijloke in Gent gespielt wird. Ich frage, ob es noch etwas gibt, das sie den Besuchern des Konzertes mit auf den Weg geben möchte. „Nein“ sagt sie überzeugt und bescheiden: „Beethoven spricht für sich selbst!“

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ZAZ in Hamburg

Zaz in Hamburg

Wie ich in einem früheren Artikel bereits erwähnte, hatte ich vor einigen Monaten das Vergnügen die tolle Sängerin ZAZ in einem Konzert in Hamburg zu erleben. Die Bühnenshow, ihre Band und die Lieder waren einfach wunderbar. Das Publikum war begeistert. Es wurde getanzt und teilweise sogar mitgesungen. Ein Foto der Sängerin, sowie die Videoaufnahme eines eher unbekannten Liedes von ihr, möchte ich den Lesern von “taktgefuehle” nur ungerne vorenthalten.

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Musiktip: ZAZ

Die reizende junge Frau, mit dem Künstlernamen Zaz wird häufig mit der berühmten Legende Edith Piaf, dem sogenannten “Spatz von Paris“ verglichen. Denn auch sie hat, genau wie die große Chansonsängerin, jahrelang in den Gassen von Montmartre ihr „Baguette“ mit Straßenmusik verdient. Wie das große, unvergessliche, ältere Pendant, besitzt Zaz eine besondere, etwas rauhe, interessante und angenehme Stimme. Ihr Stil ist trotz der genannten Parallelen jedoch unabhängig und individuell. Zaz erzählt schöne Geschichten, experimentiert mit Lyrik und umschreibt überaus glaubhaft und erfrischend ihre Liebe zum Leben. Sie konzertierte bereits in Nordafrika, Sibirien und vielen weiteren Orten, gewann den Talentwettbewerb „Réservoir Generation” und erreichte mit ihrem in Kanada und Frankreich aufgenommenem Album den ersten Platz der französischen Albumcharts. Vor ein paar Monaten konnte ich sie live bei einem Konzert in Hamburg erleben, auf dem sie mit ihrer sympathischen und tollen Band wirklich jedem Einzelnen der erstaunlich bunten Menge an Besuchern, einen wunderbaren Abend bescherte.

Es folgen das bekannteste (“je veux”) und eines der schönsten Lieder (“les passants”) der erfrischend sympathischen Musikerin.

Je veux!

Donnez moi une suite au Ritz, je n’en veux pas!
Des bijoux de chez CHANEL, je n’en veux pas!
Donnez moi une limousine, j’en ferais quoi?
Offrez moi du personnel, j’en ferais quoi?
Un manoir a Neufchatel, ce n’est pas pour moi.
Offrez moi la Tour Eiffel, j’en ferais quoi?

Refrain:
Je Veux d’l'amour, d’la joie, de la bonne humeur, ce n’est pas votre argent qui f’ra mon bonheur, moi j’veux crever la main sur le coeur. Allons ensemble, découvrir ma liberté, oubliez donc tous vos clichés, bienvenue dans ma réalité.

J’en ai marre de vos bonnes manières, c’est trop pour moi!
Moi je mange avec les mains et j’suis comme ça!
J’parle fort et je suis franche, excusez moi!
Finie l’hypocrisie moi j’me casse de là!
J’en ai marre des langues de bois!
Regardez moi, toute manière j’vous en veux pas et j’suis comme ça

AUF DEUTSCH:

Gebt mir eine Suite im “Ritz”, ich will sie nicht!
Gebt mir Schmuck von Chanel, ich will ihn nicht.
Gebt mir eine Limousine, was soll ich damit?
Stellt Personal für mich ein, was soll ich damit?
Eine Villa in Neuchâtel ist nichts für mich.
Schenkt mir den Eiffelturm, was soll ich damit?

Ich will Liebe, Freude und gute Laune, es ist nicht euer Geld, das mich glücklich macht. Ich, ich will mit der Hand auf meinem Herzen sterben. Lass uns gemeinsam meine Freiheit entdecken, vergesst all eure Klischees, Willkommen in meiner Realität!

Ich habe genug von euren guten Manieren,
sie sind zu viel für mich.
Ich, ich esse mit den Händen und so bin ich.
Ich rede laut und ich bin offenherzig, entschuldigt mich.

Beendet die Scheinheiligkeit, ich gehe daran kaputt,
ich habe genug von den hohlen Phrasen.
Schaut mich an, trotzdem gebe ich euch nicht die Schuld, und so bin ich.

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