Von NoName-Bitches und Party-Posern

Ihr geht also auf diese Party, in dieser WG. Entweder schleift euch eine Freundin mit, oder ihr kennt einen der WGler und habt vor 100 Jahren zugesagt. Gerade seid ihr eigentlich nur noch fertig und habt überhaupt keinen Bock mehr. Den Tag über zu viel gearbeitet, oder sich in der Prokrastination verloren, egal- einfach ausgelaugt und anti-social.

Ihr geht trotzdem hin. Warum? Weil man Angst hat etwas zu verpassen, Angst davor mit dem Ausschlagen dieser Partyeinladung den letzten Nagel in den Sarg des eigenen Outsiderlifes zu hämmern, Neugierde oder Liebe dieser einen Person gegenüber für die es sich lohnen würde hinzugehen, Hoffnung, dass dieses Stimmungstief der perfekte Einsteiger ist um vor Ort mal so richtig man selbst zu sein und dafür vielleicht sogar probs zu kriegen, die etwas nachhaltiger sind als „du bist so krass eyy“. Warum wir dann doch immer auf diese Partys gehen, von denen man irgendwie von Anfang an weiß, dass sie scheiße werden, ist eine Frage der wir uns an anderer Stelle zuwenden werden. #fomo

Anyway: Bevor ihr klingelt noch ein letztes nervöses zuppeln am Rock, dem Hemd, wat auch immer. Bemühtes Lächeln aufgesetzt und sobald die Tür aufgeht der Gastgeberin irgendwas angestrengt unbeschwertes in die Fresse schreien (wirklich Leute, das ist ganz wichtig, die Lautstärke Eurer Begrüßung markiert Eure Entscheidung darüber wie dieser Abend verlaufen soll).

Ihr betretet also diese holzverdielte Ikea-WG, deren rauhfasertapezierte Wände nur von Karohemden und abgestandenem Reissdorf zusammengehalten werden und euch schlägt diese wabernde Spießigkeit entgegen. Diese wabernde Spießigkeit die euch muffig entgegenhaucht „ich wähle grün, halte mich aber für total links, weil ich aus einer Familie von alten CDUlern komme.“.

Und von Anfang an ist klar, es gibt drei Optionen: 1. Ich hasse alles hier und gehe als schlechtgelaunter Partypooper nach dem zweiten Kölsch nach Hause. Dann kann sich morgen niemand an mich erinnern, aber ich gucke meiner inneren Beklemmung zumindest nicht dabei zu wie sie mein Hirn infiltriert bis ich mich komplett einsam fühle. 2. Ich pule eins der nicht-tragenden Karohemden aus einer Zwischenwand, betrinke mich zu 50% mit schäbigem Bier und zu 50% mit der Magensäure, die mein Körper unter diesen Umständen versucht abzusondern und sehe mir selbst dabei zu wie ich zu 2000er Hits auf dem Tisch tanze. 3. Ich verfalle in rage und werde dieser eine wütende Opa, der belanglose Gespräche in denen sich das Gegenüber eigentlich total wohl fühlt unterbricht mit „entschuldige, worüber reden wir hier eigentlich? Kann es sein, dass wir immer nur abwarten bis der andere kurz die Fresse hält um den eigenen belanglosen Scheiß rauszuhauen?!“. Dann verfalle ich über den Abend wahrscheinlich in tiefe Depression, weine mich Zuhause in den Schlaf und alle halten mich für eine bemitleidenswerte, gescheiterte Existenz.

So. Jetzt ist mein Problem aber ja nicht nur, dass ich zwischendurch auf schlechten Partys bin. Vielmehr frage ich mich wie so eine Partykultur überhaupt entsteht?! Wie passiert es, dass Mikrokosmen jedes Wochenende wie die Pilze aus dem Boden schießen, in denen wirklich NIEMAND eine nachhaltig gute Zeit hat?! Diese Partys sind so hohl, so leer, so bedeutungslose Pavianhügel auf denen testosterongeschwängerte Primaten sich laut auf der Brust rumtrommeln und ein inhaltsleeres Gespräch nach dem nächsten führen, weil es niemanden interessiert wie es dem anderen geht. Die haben gar kein Interesse daran jemanden kennen zu lernen, oder ein gutes Gespräch zu führen. Man übertrumpft sich mit Posertum, oder Unauffälligkeit, findet alles total crazy und lit und fragt sich, warum man sich Zuhause dann doch wieder so leer fühlt.

Ja warum wohl? Solche Partys sind das Nahrungsstoffequivalent zu Pappe. Wenn du den ganzen Tag nur diese Partys frisst, musst du dich nicht wundern, wenn dir am nächsten Tag schlecht ist und du trotzdem noch Hunger hast.

Folgender Tipp (in erster Linie für mich selbst, in zweiter Konsequenz könnt Ihr ja vielleicht auch was damit anfangen): Wenn man auf so eine Party geht, sollte man sich vorher überlegen was man sich davon erhofft. Ablenkung, gute Gespräche, Liebe, Gruppengefühl- und dann fordert man das einfach mal für sich ein. Man geht auf diese Party und wenn jemand fragt wie es einem geht, dann fragt man vielleicht nochmal ob das wirklich interessiert, und wenn ja, dann erzählt man einfach mal.

Ich droppe in solchen Gesprächen auch gerne mal Dinge die vielleicht einen Ticken zu privat sind um zu gucken wie die Leute darauf reagieren. Ich stelle vielleicht auch direkt mal intime Fragen und dann merkt man schon, ob die Leute bock haben sich mit sich und ihrer unmittelbaren Umwelt auseinanderzusetzen, oder eben nicht. Letzteres kann man ja dann auch gerne akzeptieren, aber dann geht man zumindest nicht Heim und ertrinkt in Selbstmitleid, sondern man geht in dem Bewusstsein, dass man sich hierfür einfach gerade zu schade ist. Ich habe mich selbst zu gern, um meine Lebenszeit mit solchen Partys zu vergeuden. Dann kauft man sich auch nicht den 100er Packung Chicken Nuggets und schläft mit vom Frittenfett verschmierten MakeUp in Panadekrümeln ein, sondern man geht abgeschminkt mit erhobenem Kopf und geputzten Zähnen ins Bett und schreibt vielleicht noch jemandem den man gern hat.

Und manchmal wird man eben auch überrascht. Manchmal antwortet man auf die Frage „wie gehts/siehst voll schön aus“ (denn wenn Frauen sich angetrunken auf einer Party treffen gibt es bei der ersten Begegnung immer so einen Glitch in der Matrix und während sie noch fragt „wie gehts“ wird aus dem off ihre stimme über diese Tonspur gelegt, wie sie sagt „siehst voll schön aus“. Frauen bemerken diesen Glitch meistens gar nicht, sondern antworten auf beides „Oh dankeee, du aaauuuch“. Zack boom. Gespräch vorbei.) Aber manchmal wird man eben doch überrascht, dann antwortet man auf „Wie gehts“ mit „geht so, fühle mich heute etwas anti-social“ und dann die schöne Blondine mit dem eingebauten Choker im Croptop- von der man denkt, dass sie sich noch nie Gedanken über irgendwas machen musste so „oh gott, ja das kenne ich. Heute war einfach irgendwie ein schwieriger tag“ und Zack Boom. Gespräch das nicht nach Pappe schmeckt.

Einfach mal machen…

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