Das innere Kind

Es ist Dienstag und meine aktive Woche beginnt erst jetzt. Den Montag musste ich damit verbringen mich von meinem #Menschenkater zu erholen, den ich mir am Wochenende zugezogen habe. Was mich da heimgesucht hat ist ein mir sehr bekanntes Phänomen. Es handelt sich hier um die Konsequenz aus mangelnder Achtsamkeit mir selbst gegenüber. Stichwort: Das innere Kind.

Das innere Kind ist für mich eine Kumulation aus den Bedürfnissen, die wir uns tagtäglich bemühen zu verdrängen, weil sie nicht zu unserem Effizienz gepolten Lifestyle passen. Stellt Euch vor da wohnt etwas in Euch (ignoriert wie gruselig parasitär das klingt, denn das ist es ganz bestimmt nicht) was Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit braucht. Dadurch, dass Ihr Kontakt zwischen Euch (der Hülle) und dem inneren Kind (dem Kern) haltet, entsteht in Euch ein Gefühl der Ganzheit/Einheit das wiederum die Ressourcen freischaltet, die wir brauchen um uns wohl zu fühlen in Interaktion mit anderen/uns selbst/bei der Arbeit etc.
Das ist sicher für jeden anders, ich persönlich habe dann ein Gefühl von: Es fällt mir leicht zu sein wie ich mich wohl fühle und es kommt eben nicht zu folgender Situation:

Neulich war ich mit meinen Leuten in der Stadt unterwegs. Alles gute, liebevolle Menschen, bei denen ich mich normalerweise sehr wohl fühle. Alkohol fließt, wir albern rum, Crew-Feeling par Excellence. Schon von Anfang an hatte ich allerdings das Gefühl, das irgendwas nicht stimmt. Ein leichter Druck auf der Brust, eine sich anbahnende innere Leere. Ich trinke, lache und feier dagegen an, schraube meine Performance-Leistung auf ein Maximum. Schließlich bin ich mir meiner Rolle als Entertainer der Gruppe sehr bewusst, bzw. bin sehr anfällig dafür mir den Schuh der vermeintlichen Verantwortung, der damit einhergeht, anzuziehen.
Als die Stimmung für mich ihren manisch-euphorischen Höhepunkt erreicht, kippt etwas in mir. Man könnte sagen die Leere gewinnt. Ich stehe da, inmitten meiner liebsten Menschen, die sich wahrscheinlich jederzeit eine Kugel für mich fangen würden, und fühle mich so einsam wie noch nie. Als ich spüre, wie der Alkohol mir anbietet mich in diese Schwärze bis zum Tränenmeer reinzusteigern, ziehe ich die Notbremse. Ich verabschiede mich hastig von meinen Freunden und fliehe in die Nacht. Die Scherben in den Ohren und kühle Nachtluft in den Lungen, lassen mich bis zu meiner Haustür durchhalten. Doch spätestens dort klatschen mich die Diskrepanz zwischen der Dunkelheit in mir und der aggressiven Helligkeit meines Hausflurs, sowie die abrupte Stille, als ich die Kopfhörer ablege, komplett aus dem Leben. Ich sitze auf meinem Bett und ugly-crye mir die Seele aus dem Leib.

Was ist geschehen? Nun. Ich hab zu lange nicht nach innen gesehen und mein inneres Kind komplett vernachlässigt. Die intrinsische Leere ist die emotionale Vergegenwärtigung der räumlichen Distanz zwischen mir (der Hülle) und meinem inneren Kind/ meinen ganz basalen Bedürfnissen die abgedeckt sein müssen, bevor ich mich den äußeren Reizen dieser Welt stellen kann (dem Kern). Gott sei Dank, habe ich zumindest der körperlichen Reaktion auf diese innere Zerrissenheit, Beachtung geschenkt und meinen Tränen Raum gegeben. Wie gut diese Idee war, habe ich erst an dem kathartischen Gefühl am nächsten Morgen ablesen können…(Übrigens war auch ich erst etliche Gespräche mit meiner Therapeutin später empfänglich, für diese heilsamen Erkenntnisse. Direkt nach dieser Nacht habe ich mich natürlich erstmal wie ein Stück Scheiße gefühlt. Ausgeliefert. Leer. Verwirrt. Traurig.)

Was nehme ich daraus mit? Erneuten Respekt vor meinen inneren Bedürfnissen. Und Handwerkszeug um mit solchen Situationen besser umzugehen, falls es trotz bemühter Achtsamkeit doch noch mal passiert, dass ich mein inneres Kind missverstehe. Ich hätte die Einsamkeit, die mich inmitten meiner Freunde ereilt hat, nämlich auch gut missinterpretieren können. Dann hätte ich wahrscheinlich versucht sie mit noch mehr sozialem Wahnsinn zuzukleistern und wäre irgendwann von dem schwarzen Loch der emotionalen Überforderung eingesaugt worden. Es ist ja auch irgendwie total unintuitiv sich einzuigeln und allein zu sein, wenn man an Einsamkeit leidet, aber allein sein und einsam sein sind nun mal nicht das Gleiche und manchmal muss man lernen allein zu sein, damit man nicht mehr einsam ist…

Für mich ist Quality-time mit mir alleine Punkrock auf den Ohren und ein PC an dem ich schreiben kann vor meiner Nase. Vielleicht noch ein Tee, ein bisschen Obst – und ich bin glücklich. Für andere ist es eine Beauty-Session, ausgiebiges Kochen zu 90er Jahre Pop-Diva Hits, ein Buch lesen im Park, oder auch irgendwas nicht ganz so Instagram-Buntes wie: drei Tage weder Duschen noch Zähne putzen und abwechselnd schlafen, essen, masturbieren. Gönnt Euch einfach. Abseits von Menschen. Und lernt Euch selbst wieder zuzuhören. 
Das ist übrigens ein ständiger Prozess. Auch wenn ich weiß was mir gut tut, vergesse ich es manchmal und komme erst nach einem weiteren unvorhersehbaren Nervenzusammenbruch darauf, was gerade schief läuft. (Genauso wie man manchmal Abends seinen Partner ankackt, sein ganzes Dasein in Frage stellt und alles und jeden hasst, am meisten sich selbst und keine Ahnung hat warum- bis jemand kommt und frag: „Ehm..wann hast du das letzte mal was gegessen?“
Und man denkt sich so: Ohhhhh…Jaaa…Fuck. Ich bin abhängig von Nahrungsaufnahme..Ich vergaß. Soorrryyyyy..)

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